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St.-Elisabeth Altenpflege

Diagnose ist häufig ein Zufallsbefund

„Ich habe mich gut gefühlt. Ich bin eigentlich nur zur Blutuntersuchung gegangen, weil ich einmal einen Check machen lassen wollte.“ Lydia H. konnte es erst nicht glauben, als ihr gesagt wurde, sie leide an einem Multiplen Myelom – einer Krebserkrankung des Blutes.

So wie Lydia H. ergeht es vielen Patienten. Das Multiple Myelom (früher Plasmozytom) gehört zwar mit fast 6.000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland zu den häufigeren Diagnosen, aber es bleibt lange Zeit symptomlos bzw. sorgt für eher unspezifische Hinweise. „Bei dieser Erkrankung vermehren sich die so genannten Plasmazellen – auf die Immunabwehr spezialisierte Zellen im Knochenmark“, erklärt PD Dr. Ralf Georg Meyer, Chefarzt der Inneren Klinik II des St.-Johannes-Hospitals. „Das kann zu Knochenschmerzen und Knochenauflösungen führen, die wiederum Knochenbrüche begünstigen. Aber auch zu Blutarmut (Anämie) oder zu Funktionsbeeinträchtigungen von Nieren, Magen-Darm-Trakt, Herz und vielen anderen Organen. Die Plasmazellen produzieren Eiweiße, die den Körper regelrecht überschwemmen.“ Das Problem dabei: Es gibt natürlich auch andere Ursachen für all diese Symptome. Das erklärt, warum das Multiple Myelom oft erst sehr spät erkannt wird und dann bereits ausgeprägte körperliche Schädigungen vorliegen.

Chronischer Verlauf
Das Tragische: Eigentlich kann man die Krankheit mit Hilfe von Blut- oder Urintests recht einfach erkennen und gut behandeln. Zudem, so Chefarzt Dr. Meyer, zeige das Multiple Myelom sehr unterschiedliche Verlaufsformen: „Einige Patienten müssen sofort therapiert werden, andere kann man zunächst über viele Jahre beobachten und kontrollieren. Diese Kontrollen sind aber wichtig, um mögliche Folgeschäden gar nicht erst entstehen zu lassen.“
Das Multiple Myelom zählt heute zu den „chronischen Krebserkrankungen“, die auch unter Behandlung ein qualitätsvolles Leben über Jahre ermöglichen. In den beiden vergangenen Jahrzehnten wurden viele neue Therapiemöglichkeiten erforscht und in die Klinik gebracht. Ein entscheidender Schritt auf diesem Weg: die Einführung der autologen Stammzelltransplantation, so wie sie auch im St.-Johannes-Hospital durchgeführt wird. Dabei gilt es zunächst, das kranke blutbildende System des Patienten mit Hilfe einer Hochdosis-Chemotherapie zu zerstören, um ihm anschließend gesunde Blutstammzellen von außen zuzuführen, aus denen sich nach und nach das Blut und damit auch das Immunsystem erneuert. Ob und wann diese schärfste zur Verfügung Chefarzt PD Dr. Ralf Georg Meyer, Prof. Dr. Hermann Einsele, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II Universitätsklinikum Würzburg, Lisa Kotschi, Vorsitzende der SHG AMM-Online, Dieter Reinarz, Hans Josef van Lier und Armin Herzig vom Vorstand der Selbsthilfegruppe NRW (v.l.)
Zusammenarbeit mit Selbsthilfegruppe stehende Waffe gegen den Krebs eingesetzt wird, hängt von der jeweiligen Biologie der Erkrankung ab. „Hier spielt die Erfahrung des Arztes eine entscheidende Rolle dabei zu erkennen, wer wann von welcher Behandlung profitiert.“ Neue Therapiemöglichkeiten Lydia H. zählt zu den Patienten, bei denen zunächst abgewartet werden kann. Sie ist voller Hoffnung angesichts des wissenschaftlichen Fortschritts. Chefarzt Dr. Meyer bestätigt: „Allein im vergangenen Jahr wurden vier vollständig neuartig wirkende Medikamente für diese Erkrankung zugelassen.“

Das Dortmunder Centrum für Zelltransplantation (DCZ)
Die Innere Klinik II des St.-Johannes-Hospitals und die Medizinische Klinik Mitte des Klinikums Dortmund arbeiten insbesondere bei der Betreuung hämatologischer Patienten eng zusammen. Im vergangenen Jahr wurde diese Kooperation mit der Gründung des Dortmunder Centrums für Zelltransplantation (DCZ) in eine neue Form gegossen. Eine erste gemeinsame Aktion war im Mai 2017: „Mund auf, Stäbchen rein, Spender sein“. Über 220 potentielle Stammzellspender konnten in Zusammenarbeit mit der DKMS gewonnen werden (Bild). Beteiligt haben sich Mitarbeiter des St.-Johannes-Hospitals und des Klinikums Dortmund sowie Krankenpflegeschüler beider Häuser und die Schüler des Robert-Schumann-Berufskollegs. Logo des DCZ ist übrigens eine Biene – ein in der Naturwissenschaft eingeführtes Bild. Denn es ist, als hätte der Superorganismus des Bienenstocks omnipotente Stammzellen, die er jederzeit dort einsetzen kann, wo sie gebraucht werden. Der Mensch musste diese Technik erst erlernen, die das Bienenvolk seit Millionen von Jahren beherrscht.

Behandlung in keimarmer Umgebung
Fällt die Entscheidung für Hochdosis-Chemotherapie und Stammzelltransplantation, werden die Patienten im St.-Johannes-Hospital auf einer Station mit 15 Betten behandelt, die nach umfangreichen Umbaumaßnahmen auf dem neuesten Stand der Technik ist und höchstmögliche Sicherheit in keimarmer Umgebung bietet. Dafür sorgt unter anderem ein komplexes Belüftungs- und Schleusensystem. Gleichwohl sind die Zimmer behaglich eingerichtet – mit Fernseher, Sitzecke, Gardinen und Bildern. „Die Patienten sollen sich bei uns wohlfühlen. Das ist ganz wichtig für den Therapierfolg“, so Chefarzt PD Dr. Ralf Georg Meyer. Aus diesem Grund sind auch Besuche auf der Station möglich und die Zimmer können mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen verlassen werden. Nur die Anzahl der Besucher ist beschränkt und die ganz kleinen Familienangehörigen müssen draußen bleiben, weil sie gelegentlich ohne es selbst zu merken Infektionserreger, zum Beispiel aus Kindergärten übertragen können.

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